Wullenwever-Peiler


Beim Wullenwever-Peiler (auch einfach: Wullenwever, Wullenwever-Anlage) handelt es sich um einen amplitudensensitiven Sektorpeiler mit einer speziellen Kreisgruppenantenne. Die namensgebende  Wullenwever-Antenne besteht aus einer Reihe von Antennenelementen die im Kreis vor einer Reflektorwand angeordnet sind. Die als Großbasisempfangsanlage dimensionierte Antenne wird für den Längst- bis Kurzwellenempfang genutzt.

Fontalansicht einer Wullenwever-Antenne mit 120m Durchmesser. Vor der Reflektorwand (stehen 40 Reusenantennen (7,8 m hoch)
Fontalansicht einer Wullenwever-Antenne mit 120 m Durchmesser. Vor der zylindrischen Reflektorwand stehen 40 Reusenantennen (je 7,8 m hoch). [1]

Der Abstand der Antennenelemente auf dem Kreis ist so ausgelegt, dass ein Großbasisantennensystem realisiert wird. Die Reflektorwand schirmt die Antennen vor rückwärtigen Strahlungseinflüssen ab.

Wullenwever-Antennensystem. Das rotierende Goniometer (Mitte) führt die Summen- und Differenzspannung der ausgewählten Antennen der Peilauswertung zu.
Wullenwever-Antennensystem. Der Rotor (Mitte) führt die Summen- und Differenzspannung der ausgewählten Antennen der Peilauswertung zu.

Die Einzelantennen der Wullenwever-Antenne sind an die Statoranschlüße einer kreissymetrischen Kompensatoranordnung angeschloßen, deren Rotor die Abnahme einer bestimmten Anzahl von Antennenspannungen erlaubt (sogenannte Sektoren).

Im Betrieb werden die Antennenelemente eines Sektors der Wullenwever-Antenne über einen Transformator additiv (um eine Maxiumcharakteristik zu erzeugen) und gegenphasig (um eine Minimumcharakteristik zu erzeugen) zusammengeschalten [2].

Durch sequentielles Abtasten der Sektoren ensteht eine rotierende Minimum- und Maxiumcharakteristik. Die beiden abgegriffenen Antennenspannungen werden laufzeitkompensiert (gleichphasig) einem Peilempfänger zugeführt und dort z.B. unter Verwendung der Summen-Differenz Methode ausgewertet.

Abbildung139
Schema eines Wullenwever-Peilers mit Summen-Differenz Methode.

Der Peilwert wird dann auf einem Sichtgerät ausgegeben (z.B. einer braunschen Röhre). Dem Prinzip nach handelt es sich beim Wullenwever-Peiler um einen Umlaufpeiler.

Um die Wullenwever-Antenne auch gleichzeitig zum Rundempfang verwenden zu können, werden alle Antennenspannungen zusätzlich ohne Zwischenschaltung an den Peilempfänger geschaltet.

Auswertung der Antennenspannungen eines Antennensektors (hier mit drei Elementen) durch S-D-Transformator mit zusätzlichem Rundempfangsausgang.
Auswertung der Antennenspannungen eines Antennensektors (hier mit drei Elementen) durch S-D-Transformator mit zusätzlichem Rundempfangsausgang.

Werden die Antennenzuleitungen zum Stator eines Wullenwever-Antennensystem mit steuerbaren Dämpfungsgliedern ausgestattet kann eine Wichtung der Einzelantennenspannungen realisiert werden. Hierdurch ist der Wullenwever in der Lage seine Richtcharakteristik in Richtung des Nutzsignales zu optimieren. Hernach handelt es sich bei der Wullenwever-Anlage um eine adaptive Antenne (Beamformer) und somit beim Wullenwever-Peiler um einen hochauflösenden amplitudensensitiven Peiler.

Abhöranlage_Gablingen
Raumbild der Antennen der Bundeswehr-Fernmeldeaufklärung in Gablingen. Der Außenkreis besteht aus Antennen die vor einer Reflektorwand positioniert sind. In der Mitte befindet sich das Peilhaus in dem die Auswertung der Antennenspannungen durchgeführt wird. [Quelle: Wikipedia]

[1] „Empfangs- und Peilanlagen mit gebündelter Charakteristik“, H. Janssen, Vortrag Arbeitstagung „Navigation“ 23 März 1944, Ferdinand-Braun-Institut Landsberg/Lech

[2] „Beschreibung für Großpeil- und Empfangsanlage Wullenwever“, Betriebsarchiv VEB Werk für Fernmeldewesen, 1968

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