Drehstand


Unter einem Drehstand versteht man in der Funkmesstechnik einen Messplatz, der zur Funkbeschickung von Antennen benutzt wird. Bei der Funkbeschickung wird eine Empfangsantenne durch einen ferngesteuerten Sender beschickt um ihre Empfangseigenschaften auszuwerten.

Aufbau eines Drehstandes zum Einmessen eines Peilers.
Aufbau eines Drehstandes zum Einmessen eines Peilers.

Wird die Antenne auf einer drehbaren Plattform (dem sogenannten Drehteller) gelagert und gleichmäßig um ihre eigene vertikale Achse gedreht (meist mit einem Schrittmotor) kann man ein von der Einfallsrichtung der gesendeten Signals abhängiges Empfangsverhalten aufzeichnen (sogenanntes Richtdiagramm).

In der Peiltechnik verwendet man zum Einmessen des Peilempfängers (neben der Kontrollpeilung) einen Drehstand um Aussagen über das Verhalten des Peilers wie:

Dabei wird der Peilempfänger an eine Antenne mit bekannter Richtcharakterstik angeschlossen. Die Antenne wird von einem Sender mit bekannter Frequenz, Sendeleistung und Signalmodulation beschickt und dabei um ihre eigene vertikale Achse gedreht. Der Zusammenhang zwischen gemessenem Peilwinkel und eingestellter Auslenkung des Drehtellers muß linear sein und darf sich nur durch einen Offset (bei falscher Bezugsrichtung des Peilers bezogen auf den Drehteller) unterscheiden. Ist dies nicht der Fall, deutet dies meist auf einen der oben genannten Fehler hin.

Virtuelle Drehstandmessung eines dreizügigen Peilers bei einem Verhältnis der Wellenlänge des Signals zur Länge der Basis von 0,3.
Virtuelle Drehstandmessung eines dreizügigen Peilers bei einer Apertur 0,3 Wellenlängen.

Einen Sonderfall bei der Vermessung eines Peilempfängers stellt der virtuelle Drehstand dar. Hierbei wird, anstelle einer realen Antenne und eines realen Senders, eine Antennennachbildung und ein Signalgenerator zum Nachstellung des realen Verhaltens genutzt. Dies stellt eine, im Vergleich zur Feldvermessung, weniger aufwändige und zeitintensive Alternative dar und wird zu ersten Tests des Peilers im Labor genutzt.

Aufbau eines virtuellen Drehstandes.
Aufbau eines virtuellen Drehstandes.

Der virtuelle Drehstand setzt eine Antennennachbildung voraus, deren Ausgangsspannungen, in bestimmter Granularität, durch den eingestellten Richtungswinkel bestimmt werden. Moderne Antennennachbildungen bieten die Möglichkeit per Steuerrechner programmiert zu werden (Elevation und Azimut sind frei einstellbar). Im Gegensatz zum realen wird beim virtuellen Drehstand eine Rotation des Senders (HF-Generator) um die Antenne simuliert.

Nachteile des virtuellen Drehstandes sind:

    • keine exakte Wiedergabe der Richtcharakteristik der Antenne (es sei den diese ist ebenfalls programmierbar) und
    •  Annahme eines idealen Szenario ohne Rückstreuung und andere Umwelteinflüße ermöglichen keine Aussagen über Störfestigkeit und Peilempfindlichkeit des Peilers in realer Umgebung.

Jedoch prädestinieren gerade diese Nachteile den virtuellen Drehstand als erste Vermessungsmöglichkeit des Peilempfängers weil so, unabhängig von Umwelteinflüßen, die Peilalgorithmen und Peilempfänger-Hardware eingemessen werden können.

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